Die Idee klingt verlockend: Durch die Herstellung und Nutzung von Treibstoffen aus landwirtschaftlicher Produktion werden neue Einkommensquellen für Millionen von Bäuerinnen und Bauern weltweit geschaffen. Gleichzeitig wird der Ausstoß von Treibhausgasen gesenkt und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Diese vor wenigen Jahren noch erwartete allseitige Win – Win Situation stellte sich schnell als Illusion heraus, und das nicht nur hinsichtlich der Klimaziele. Denn auch bezüglich ihres entwicklungspolitischen Potentials haben sich Agrartreibstoffe – zumindest in der Form, in der sie derzeit gefördert und angebaut werden – als ein Mittel mit zahlreichen negativen Nebenwirkungen erwiesen. Gerade Kleinbauern in den Ländern des Südens laufen Gefahr, Opfer der Agrartreibstoff-Förderung zu werden anstatt von ihnen zu profitieren. Der Flächenbedarf der zumeist in Monokulturen angebauten Rohstoffe für die Agrartreibstoffgewinnung ist enorm. Es entsteht eine gravierende Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Die verstärkte Nachfrage nach Agrarprodukten auf dem Weltmarkt führt zu hohen Preisschwankungen für Grundnahrungsmittel und Verknappung der Getreidevorräte. Der Agrartreibstoffboom in seiner aktuellen Form mehrt den Hunger – betroffen sind vor allem arme Menschen.
Die Nutzung von Bioenergie ist noch sehr jung. Nach den ersten – gravierenden – Fehlentwicklungen für die Ernährungssicherheit müssen Strategien entwickelt werden, Biomasse zur Energiegewinnung sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu produzieren. Ziel dieser Studie ist es, Wege aufzuzeigen, die eine armutsreduzierende Einbeziehung von Kleinbauern in die Bioenergieproduktion ermöglichen. Ausgehend von einer kritischen Analyse und Bilanz der Konsequenzen politisch forcierten Biokraftstoffnachfrage geht die Studie zwei handlungsorientierten Kernfragen nach:
• Können kleinbäuerliche Bevölkerungsgruppen in die Produktionsprozesse eingebunden werden und davon profitieren?
• Welche Formen sind dabei sinnvoll und wo lauern Gefahren fehlgeleiteter Entwicklungsprozesse?
Die Studie basiert auf eine Vielzahl von Analysen, Projektberichten und Feldbesuchen. Die Entwicklungen in Peru werden eingehend diskutiert, Erfahrungen aus Nordkorea, Indien und Brasilien werden einbezogen.
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